Innovativ Unternehmerisch Kreativ Politisch

Kaufvertrag von 1771, unterzeichnet von Christina Barbara
Metzler (1703-1793), der Leiterin des Bank- und Handelshauses
von 1757-1171, Bethmann-Archiv, ISG

Unternehmerisches Denken und Handeln

Obwohl erwerbstätige Frauen seit Jahrhunderten überall im Stadtbild präsent waren, erscheint die weibliche Arbeitswelt als ein blinder Fleck in der Frankfurter Geschichte. Dabei arbeiteten sie in allen Wirtschaftszweigen. Meist freilich im Rahmen eines häuslich organisierten Betriebes, der auf die Arbeit von Ehefrauen, Witwen und Töchtern angewiesen war.
Handelsfrauen waren voll geschäftsfähig. Sie konnten Verträge abschließen, Wechsel ausstellen und Bürgschaften übernehmen. Das eheliche Arbeitspaar teilte sich die im Betrieb anfallenden Aufgaben, Risiko und Gewinn. Vom Kleinhandel abgesehen, begegnen uns selbständige Kauffrauen vor allem im Bereich des Handels mit Mode- und Luxusartikeln. Handwerksbetriebe waren auf die Mitarbeit von Ehefrauen und Töchtern angewiesen. Das Recht, ein bestimmtes Handwerk auszuüben, konnten jedoch nur Männer durch die Aufnahme in die Zunft erwerben. Beim Tod eines Meisters ging dieses Recht allerdings auf seine Witwe über. Historische Dokumente bezeugen, dass ihre Geschäftskenntnisse viele Witwen dazu befähigten, die Werkstatt eigenständig und mit Erfolg zu führen.

Das Bank- und Finanzwesen, das sich vor allem aus dem Kommissions- und Speditionshandel entwickelte, erlebte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen enormen Aufschwung. In Frankfurt traten einige Frauen, wie die Handels-und Bankfrau Christina Barbara Metzler, deren Unterschrift auf dem abgebildeten Kaufvertrag zu sehen ist, an die Stelle männlicher Familienmitglieder und leiteten erfolgreich ihre Unternehmen. Eine formale betriebliche Ausbildung blieb Frauen jedoch bis ins 20. Jahrhundert verwehrt. Im 19. und 20. Jahrhundert forderten Frauen zunehmend ihr Recht auf Berufsausbildung und Erwerbsarbeit ein. Ihre Stellungen in erfolgreichen Unternehmen sind indes schwer nachzuweisen. Häufig steckte hinter einem Unternehmer in öffentlicher Position ein Unternehmerpaar,das gemeinsam den Betrieb führte.

Im Hinblick auf die Beteiligung von Frauen an Unternehmen sowie an der ‚anderen Hälfte des Kapitals’ stehen bis heute noch systematische Untersuchungen aus.
Obwohl viele wie etwa die Fabrikantin und Stifterin Marie Pfungst selbst in äußerst schwierigen Zeiten anspruchsvolle Führungspositionen antraten und erfolgreich ihre Unternehmen leiteten.