Innovativ Unternehmerisch Kreativ Politisch

Else Luthmer (1880-1961),
Ansicht Ecke Sternstrasse/Unterweg, hmf

Kreatives und künstlerisches Wirken

Mut zum Risiko, Selbstständigkeit und künstlerische Begabung zeichnete die Künstlerinnen und Schriftstellerinnen aus, die in Frankfurt wirkten und über Frankfurts Grenzen hinaus internationale Bekanntheit erlangt hatten.
Karoline von Günderrode, Sophie von La Roche und Bettina von Arnim schufen sich durch ihre schriftstellerische Tätigkeit einen geistigen Freiraum, über den Frauen um 1800 üblicherweise nicht verfügten. Um ihre weibliche Autorschaft den Erfordernissen der Zeit anzupassen, publizierten die meisten Frauen anonym oder wählten sogar ein männliches Pseudonym.

Fachkenntnis und Beobachtungsgabe gehörten damals ebenso wie Forscherneugierde und Reisefreudigkeit zum Rüstzeug jener Künstlerinnen, die sich auf präzise Pflanzen- und Tierdarstellungen spezialisiert hatten, wie die Pionierin der naturwissenschaftlichen Illustration Maria Sybilla Merian. Ebenso Maria Eleonora Hochecker, die über 3000 Schmetterlingsdarstellungen anfertigte und Louise van Panhuys, die sich der Wiedergabe tropischer Zier- und Wildpflanzen verschrieb. Sie befanden sich in starken finanziellen Abhängigkeitsverhältnissen, ganz gleich, ob sie im Familienverband oder selbständig arbeiteten. Nur Frauen des gehobenen Bürgertums oder des Adels lebten in gesicherten Verhältnissen und konnten so ihrer Kunst nachgehen. Vielen blieb jedoch eine dauerhafte Wertschätzung ihres künstlerischen Wirkens versagt.

Für viele Künstlerinnen, Schriftstellerinnen und Fotografinnen des 19. und frühen 20.Jahrhunderts galten vergleichbare Bedingungen. Der Weg zur künstlerischen Anerkennung und finanziellen Unabhängigkeit, der die Konzentrierung auf die Kunst ermöglichte, blieb in der Regel verwehrt. Zwar übte die Pflanzenmalerin Elisabeth Schultz (1817-1889) ihre künstlerische Praxis sehr erfolgreich aus – freilich neben der Berufstätigkeit. Die Malerei galt als kreative Nebenbeschäftigung, eine Ausbildung zur Malerin entsprach nicht den gesellschaftlichen Konventionen jener Zeit. Von der Künstlerin Else Luthmer, die aus einer kunstsinnigen Frankfurter Familie stammte und eine künstlerische Ausbildung erhielt, ist die abgebildete Stadtansicht erhalten.

Die Künstlerin Ottilie Röderstein (1859-1937) hingegen erlangte nach einer fundierten Ausbildung in Paris und Berlin die allgemeine Anerkennung und Wertschätzung in Kollegen- und Sammlerkreisen. Durch den Verkauf ihrer Werke konnte sie ihren Lebensunterhalt selbständig bestreiten. Ähnlich positiv entwickelte sich die berufliche Laufbahn der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000). Ohne nennenswerte persönliche Hindernisse studierte sie in Wien und beteiligte sich erfolgreich an Architektur-
wettbewerben. 1926 trat die ‚Erfinderin’ der „Frankfurter Küche” ihre Stelle bei Ernst May in Frankfurt an.